13.6 C
München
Samstag, Mai 25, 2024
StartFinanznachrichtenAuch Versender lassen durchleuchten

Auch Versender lassen durchleuchten

Auch Versender lassen durchleuchten

Nicht nur Banken sammeln vor dem Geschäftsabschluss Daten. Versand- und Internet-Händler liefern nur dann auf Rechnung, wenn der Score stimmt.
Fällt der Wert unter eine kritische Marke, bestehen sie auf Kreditkarte oder Nachnahme. Abgelehnt wird eine Bestellung nur selten. Bei KarstadtQuelle schlägt das hauseigene Verfahren jedoch sofort Alarm, wenn es Aufträge mit manipulierten Daten vermutet: Wenn etwa eine 82-jährige Rentnerin 20 Laptops bestellt und ihr gleichaltriger Mann noch einmal 30 weitere Rechner. Allein im Jahr 2005 habe man bei einer Konzerntochter durch Scoring Betrugsversuche über 17 Millionen Euro Schaden verhindert. Auch Handy-Firmen versuchen, Gauner und Finanzschwache auszusieben. Die Branche leidet besonders stark unter schlechter Zahlungsmoral: Etwa fünf Prozent der Neukunden ignorieren Rechnungen völlig.

Sehr erfolgreich arbeiten die DEVK Versicherungen mit Scoring. Sie beurteilen jeden Antragsteller und stufen ihn dann in eine von sieben Gruppen ein. Besonders begehrt sind „A-Kunden“. Diese Top-Versicherten verursachen nur knapp halb so häufig einen Schaden wie Kunden aus der schlechtesten Gruppe. Ihre Schadenssumme liegt überdies um 27 Prozent unter dem Durchschnitt. Mit Hilfe solch einer Klassen-Gesellschaft können sich Versicherungen auf Kunden konzentrieren, die voraussichtlich wenig Kosten verursachen. Das Pforzheimer Unternehmen Informa, das für die DEVK Scores berechnet, formuliert die Vorteile in einer Broschüre so: „Gute und viel versprechende Zielkunden können so frühzeitig erkannt und dementsprechend aktiv bearbeitet werden.“

Anfragen nehmen deutlich zu

Die Wunschkonsumenten bekommen ihre Ware stets auf Rechnung, erhalten einen besseren Service und werden bisweilen sogar im Call-Center schneller durchgestellt. Den meisten Kunden ist dagegen völlig schleierhaft, wie Unternehmen aus Wohnort, Familienstand und anderen Informationen auf künftiges Verhalten schließen. „Die Anfragen zum Thema Scoring nehmen deutlich zu“, berichtet Renate Hillenbrand-Beck, Leiterin des Datenschutzdezernats im Darmstädter Regierungspräsidium und Schufa-Aufseherin: Die Kunden wollen vor allem wissen, warum ihr Wert im Verlauf der Jahre erst schlecht und jetzt gut ist oder umgekehrt, obwohl sich ihre Lebensumstände nicht gravierend verändert hätten.

Der Haken: Auskunfteien lassen sich nur begrenzt in die Karten schauen. CEG-Chef Woydt: „Wenn wir den Bauplan verraten, könnten die Daten entsprechend manipuliert werden.“ Das Prinzip ist klar: Um das Kreditrisiko einer Person zu bewerten, wird sie einer Gruppe mit gleichen Merkmalen zugeordnet. Zahlen etwa ledige Männer Mitte 30 mit drei Kreditkarten Rechnungen nur schleppend, erhält jeder allein stehende Mann dieser Altersgruppe mit vielen Karten in der Brieftasche ebenfalls einen entsprechenden Abschlag — egal, wie seine Finanzlage tatsächlich ist. (quelle: Focus)

Beliebte Beiträge