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Mittwoch, Dezember 30, 2020
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Mehrwertsteuersenkung 2020 verpufft weitgehend

Als Sofortmaßnahme zur Abmilderung der Folgen der Corona-Pandemie hatte die Bundesregierung im Jahr 2020 eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent beschlossen. Offenbar hatte die befristete Senkung der Mehrwertsteuer aber nur vergleichsweise geringe Auswirkungen  auf das Wirtschaftswachstum. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse des Ifo-Instituts, die in der ” Mittwochsausgabe des  „Handelsblatts” erschienen ist.

Belebung des Binnenkonsums nicht geglückt

„Ziel der Senkung der Mehrwertsteuer war es, die Konjunktur durch Belebung des Binnenkonsums zu stabilisieren”, sagte Studienautor Andreas Peichl der Zeitung. “Unsere Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass dieses Ziel nicht wie erhofft erreicht worden ist.”

Auf Basis einer Befragung rechnet das Ifo-Institut für 2020 mit einem gesamtwirtschaftlichen Konsumeffekt von 6,3 Milliarden Euro, wie die Studie erläutert. Verglichen mit den privaten Konsumausgaben 2019 sei nur ein relativer Anstieg des Binnenkonsums von 0,6 Prozent zu verzeichnen, der direkt auf die Mehrwertsteuersenkung bezogen werden könne, heißt es in der Studie. Kosten und Nutzen der Steuersenkung stünden damit in einem eher ungünstigen Verhältnis, erläuterte Studienautor Peichl. Die Senkung der Mehrwertsteuer und der so generierte Konsumanreiz gehört mit 20 Milliarden Euro zu den teuersten Maßnahmen im Konjunkturpaket der Bundesregierung.

Kaum größere Anschaffungen durch die Steuersenkung

Die limitierte Mehrwertsteuer-Senkung galt von Anfang Juni bis zum Ende des Jahres 2020. Für die Analyse hat das Ifo-Institut von Oktober bis November Haushalte zu deren Konsumabsichten befragt. Es erklärten aber nur zwei Prozent der Befragten, dass sie zwischen Juni und Oktober einen größeren Kauf getätigt haben, den sie ohne Steuersenkung nicht gemacht hätten. Zusätzliche zwölf Prozent der Umfrageteilnehmer sagten, dass sie noch im Jahr 2020 eine größere Investition beabsichtigen, auf die sie ohne den staatlichen Anreiz verzichtet hätten.

Mehrausgaben für Elektrogeräte und Renovierungen

In der Gruppe der Kaufwilligen dominierten mit 43 Prozent Elektrogeräte wie Fernseher, Computer und Mobiltelefone die Anschaffungen. Gleich dahinter folgten Ausgaben für größere Umbau- und Renovierungsarbeiten am Eigenheim (39 Prozent) und der Kauf  neuer Möbel (32 Prozent). Auf die Gesamtzahl der Haushalte in Deutschland hochgerechnet belief sich die Summe der Ausgaben der Studienteilnehmer laut den Ifo-Forschern auf geschätzte 6,3 Milliarden Euro.

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